wood (1/4)
     
     
   
Zwölf zylindedörmige Holzskulpturen stehen auf der Wand und ragen in den Raum. Bei ihnen handelt es sich nicht um Reliefs, sondern um Vollplastiken. Doch der Vergleich mit Bekanntem versagt, sind wir doch gewohnt, vollplastische Figuren in einem architektonischen Bezug, seien sie gegenständlich abbildend oder völlig frei von jeder verbindlichen Wiedergabe der Erscheinungswirklichkeit. mit einer dominierenden Ansicht vor die Mauer, in eine Nische oder auf eine Konsole gestellt zu erleben. Johannes Bierlings Holzskulpturen besitzen jedoch Allansichtigkeit, sind in begrifflicher Eindeutigkeit Rundplastiken. Sie stehen nicht parallel zur Wand, sondern im denkbar radikalsten Richtungskontrast des rechten Winkels zu und auf ihr. Die ansonsten horizontale Standfäche ist in die Vertikale gekippt. Räumliche Distanz wird nicht in einer Ebene, sondern aus der Höhe erfahren.
Da alle zwölf Arbeiten 21 cm hoch sind und mit einer klaren Schnittfläche enden. könnte man annehmen, es handle sich dabei um einen Querschnift plastischer Figuren. Doch die mehr oder weniger willkürliche Festlegung des Höhenmaßes eines solchen Schnitts würde Linweigerlich Zufallsformen ergeben. Die vorderen, dem Betrachter zugewandten wandparallenen Seiten besitzen jedoch eine formale Prägnanz von zeichenhaftem Charakter. Gemeinsam ist ihnen die Kreisform mit dem Durchmesser von 16,5 cm. Ihr Mittelpunkt bestimmt die Gliederung, der von dem horizontalen oder vertikalen Durchmesser bzw. durch deren Schnittpunkt z. B. bei Nr. 111 (Abb. Seite 19) betont wird. Diese Grundform ist wegen des skulpturalen Eingriffs materiell gelegentlich aufgehoben und existiert weitgehend nur als virtuelle Gestalt. So setzt sich z.B. in den Arbeiten Nr. VIII und Nr. X (Abb. Seite 23) der horizontale Holzsteg jenseits der Vertikalen zwar in formaler Übereinstimmung, aber in einem nutartigen bis zur Basis freigelegten Hohlraum fort.